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Indonesien: Raja Ampat - Freediving bei den 4 Königen

Aktualisiert: 9. Jan.

Wie es der Zufall so wollte, organisierte die Freediving Schule, bei der wir am Anfang unserer Weltreise unsere Freediving Zertifikate gemacht hatten, eine Bootssafari von der Molukken Inselgruppe aus, in den nördlichen marinen Nationalpark, Raja Ampat, der bereits als Fixpunkt auf unserer Weltreisen Liste stand. Da wir bereits großes Vertrauen in das Apneista Team aus Bali/Amed hatten und unsere fröhliche britische Workshoplehrerin Anna somit ebenfalls mit am Start war, beschlossen wir die Molukken und Banda Insel Gegend bis hinauf nach West Papua (der indonesische Teil von Papua Neuguinea), lieber mit ihnen gemeinsam mit dem Boot zu erkunden, anstatt sich für einen Spot und Selbstanreise entscheiden zu müssen.

Wir hatten schon vor unserem Abflug aus Wien gehört, dass der Marine Nationalpark um die 4 Inseln die als die 4 Könige bezeichnet werden ( = indonesisch: Raja Ampat), eines der schönsten Tauchgebiete der Welt sein soll. Durch meine Internet Recherche fand ich heraus, dass es dort wohl wunderschöne Weichkorallen, Fächerkorallen und auch gehende Haie ("walking Sharks") in nicht allzu großer Tiefe zu bestaunen gibt (wenn man Glück hat).

Leider war diese Destination angeblich wieder nur sehr umständlich zu erreichen und manche Reisende berichteten von ihren Mühen dorthin zu gelangen und gestrichenen oder vertagten Flügen.

Wir waren schon sehr gespannt darauf was uns auf unserem sogenannten "Liveaboard" (Boots-hotel) erwarten würde.

Außerdem konnten wir mit dem Apneista Team gleich unsere neu erlernten Apnoe Fähigkeiten trainieren und dabei eine ganz andere und neue Unterwasserwelt erkunden, während uns das "Liveaboard", zu den verschiedensten Tauchspots brachte. Unter einem Liveaboard versteht man ein Boot, dass sich nicht nur für Tages-Tauchausflüge eignet, sondern auf dem man die gesamte Zeit über wie in einem Hotel auf dem Wasser wohnt und von dort aus die Tauchsafari bestreitet ohne an Land gehen zu müssen. Wir hatten beide noch nie mehr als ein paar Stunden auf einem Boot verbracht, also hörte sich das sehr spannend und definitiv nach Abenteuer an.

Nach einer langen, 3 Flüge an einem Tag beinhaltenden, ermüdenden Anreise (die prognostizierten Umbuchen waren eingetroffen) kamen wir in Ambon, einer Hafenstadt auf den Molukken an, um von dort auf die Mikumba II, unser neues Zuhause für die kommenden acht Tage, gebracht zu werden.

Die Mikumba war ein großes Holzboot auf dem 10 Passagiere und eine 9 Mann starke Besatzung Platz fanden.

Unsere Kabine war super eng und alles andere als gemütlich, aber das nahmen wir gerne auf uns, in der Hoffnung, neue Tierarten zu sichten.

Kurz nach dem Onboarding ging es auch schon actionreich mit dem ersten Wasserausflug los und so sollte es auch bis zum Ende unserer Tour bleiben.

Anfangs machte mir mein Magen auf unmissverständliche Weise klar, dass er nicht für schwankende Bootstouren geeignet ist und ich musste auf die Tabletten gegen Reise- und Seekrankheit zurückgreifen. Zum Glück waren wir oft im Wasser, wo sich mein Körper immer super wohl fühlt.

Nach ein paar Tagen hatte ich mich auch an das dauernde Schwanken gewöhnt.


Ihr könnt euch unseren Tagesablauf ungefähr so vorstellen:

Morgens ganz früh aufstehen und optional an der Morgenübung teilnehmen (6.30-7:30). Bei der Morgenübung gab es Atemübungen, Stretching für Freediver und nachdem ich ja auch an Board war und Anna leider die Grippe erwischt hatte, gab es dann später auch Stretching mit Danie und eine Urban Dance Lesson.

Danach gab es einen ultraleichten Obstsnack als erstes Frühstück und im Anschluss ging es ab in den Neopren Anzug hinein. Flossen, Tauchermasken und Bleigürtel wurden bereitgestellt und alle Teilnehmenden stiegen in unsere 2 Speedboote (Dingis) die uns täglich an tolle nahgelegene Tauchspots brachten.

Wir tauchten und schnorchelten dann in Teams umher und wollte man wieder an eine bestimmte Stelle gebracht werden, aber nicht gegen die Strömung schwimmen, musste man nur den Dingis winken und sie sammelten uns ein, um uns dann ein paar hundert Meter weiter wieder ins Wasser zu lassen.

Wir empfanden das als einen mega guten Service und wir konnten uns dadurch gut aufs Tauchen konzentrieren anstatt Energie und Atem fürs Schwimmen aufzubrauchen. War das gesamte Team im Wasser, wachten die Speedboote, verlässlich in der Nähe treibend über uns, und waren auf Abruf parat, sollte jemand wieder auf die Mikumba II zurück wollen.

Schon beim ersten Tauchgang konnten wir tolle Korallen und Meeresbewohner antreffen. Der Trip war zwar eine sehr teure aber offensichtlich die richtige Entscheidung gewesen.

Wieder zurück am Boot gab es dann Ausruhzeit und das richtige Frühstück. Wir lernten schnell, dass wir hier zulangen mussten, da es bis zum Abendessen außer einem weiteren kleinen Snack nach dem nächsten Tauchgang nichts mehr zu essen gab.

Eine Abnehm-Sportwoche also.

Gegessen wurde immer gemeinsam an einem großen Tisch am Sonnendeck des Schiffs. Danach verdrückte sich jeder bald an seinen Schlafplatz, da jeder Tag aufs neue frühes Aufstehen und Anstrengung bedeutete.

Wer früh genug aufstand erlebte jeden Tag einen besonderen Sonnenaufgang auf See und einmal sogar einen Buckelwal wie er mit der Schwanzflosse unser Schiff begrüßte.

Was diesen Ausflug aber außer den großartigen Tauchgängen so besonders machte, war die tolle Zeit mit dem gesamten Team an Board. Wir hatten ganz schnell Freunde gefunden, jeder hatte die Liebe zur Natur und zum Wasser als gemeinsamen Nenner. Man fühlte sich sofort als Gemeinschaft, spaßte und alberte bei den Speedbootfahrten und bei den gemeinsamen Mahlzeiten herum. Da die meisten sich der Reihe nach sogar eine Erkältung teilten, half man sich mit Medikamenten und Heilmitteln gegenseitig aus, nur um dann in der Zeit im Salzwasser sofort alle Wehwehchen zu vergessen und Spaß zu haben. Die indonesische Crew war super lieb und entgegenkommend und machte oft bei unseren Späßen mit. Für acht Tage lebten wir das romantisierte Bild von einer Film-Piraten Mannschaft.

Es waren, neben uns, Freediver_innen aus Spanien, Neuseeland, Russland, U.K, U.S.A. und der Schweiz an Board.

Es wurde gemeinsam Musiziert, Karten gespielt oder einfach nebeneinander auf den Sitzkissen am Deck still ausgeruht da jeder spätestens ab Tag 2 einen großen Schlafbedarf hatte.

Unser Tour"Papa" Kwab erkundete jedes Mal die Tauchspots vorab und erklärte uns dann am Whiteboard auf was wir achten sollen, wo wir hinschwimmen können und welche Fische und Korallen es an dieser Stelle zu finden gibt. Da er Brite war, genoss ich diese Erklärungen mehr als alle anderen, ihr wisst ja eventuell bereits wie amüsant ich den britischen Akzent finde.

So ging es Tag für Tag von einem Spot zum anderen. Die Mikumba II fuhr abwechselnd sowohl tagsüber als auch mal Nachts die weiten Strecken durch die Banda See und zum Rand des West-Pazifiks und brachte uns von den Molukken hinunter zu den alleinstehenden Banda Inseln im Süden, um dann wieder weit hinauf in den Norden durch den Nationalpark Raja Ampat zu schiffen.

Zweimal machten wir einen Landausflug auf eine Insel und ebenfalls an 2 Abenden wurden wir auch an abgelegene Strände gebracht, um den Sonnenuntergang zu bestaunen.

Eines meiner persönlichen Highlights war die Möglichkeit auf Kwab's mitgebrachtem Surfbrett "Skurfing" auszuprobieren. Man kann sich das wie Wakeboarden vorstellen, bei dem man von einem Speedboot gezogen wird. Anstelle eines Wakeboards, wo man in fix montierte Schühchen oder Riemen reinschlupfen kann, verwendeten wir barfüssig das Surfbrett ohne Halterung, was die Situation schwieriger gestaltete (Siehe Video).

Da wir ja Mitten auf See waren musste man einen Wasserstart hinlegen. Die Füße wurden in Rückenlage schwimmend auf Brusthöhe hochgezogen und man musste irgendwie versuchen Griff auf dem Surfbrett zu bekommen um aufstehen und balancieren zu können, während das Speedboot losfuhr.

Chris und der Neuseeländer Henry kannten ähnliche Sportarten schon, also machten sie beide auch eine tolle erste Figur auf dem Surfbrett.

Für mich war es eine Gelegenheit etwas Neues zu lernen, die ich keinesfalls auslassen wollte. (Alle die jetzt zwischen den Zeilen lesen können, wissen, dass das eine schöne Umschreibung für meine vielen Bauchflecke und Fehlstarts ist).

Da für mich also der Wasserstart ein großes Problem darstelle, ich aber selten aufgebe, feierten dann die Zuschauer auf der entfernten Mikumba II lautstark mit, als ich nach vielen Versuchen das erste Mal am Surfbrett aufstehen und das "skurfing" genießen konnte.

Anfangs half mir mein Ehemann indem er mich, selbst im Wasser schwimmend, beim Aufstehen stütze und ich somit eine erste Runde skurfen konnte. Was dann aber auch bedeutete, dass er mitten im Pazifik treibend, alleine schwimmend warten musste, bis ich und das Speedboot unsere Runde fertig gedreht hatten. Das muss echte Liebe sein.

Ein weiteres Highlight waren die Nächte am Schiff. Da ich mich in der Kabine überhaupt nicht wohl fühlte, wanderte ich samt Matratze, auf das Sonnendeck aus und schlief die verbleibenden Nächte unter einem atemberaubenden Sternenhimmel an frischer Meeresluft. Auf jeden Fall empfehlenswert!

An einem der Tage gab es wieder einen Tauchworkshop an der Leine. Ich ließ ihn aus, da ich verkühlt war und paddelte die Gegend mit einem Kajak ab. Chris schaffte an dem Tag die 25m Grenze und war überglücklich diese Erfahrung gemacht zu haben.

Im Laufe der Woche besuchten wir tolle Tauchspots und sahen täglich Delfine. Wir tauchten durch Passagen hindurch, in 2 Höhlen hinein, schnorchelten durch türkisblaue Lagunen und durch einen Wald voller großer Quallen. Wir sahen Weichkorallen aller Art sowie die großen Gorgonen Fächer die wir vorher noch nie zu Gesicht bekommen hatten.

Einmal verfolgten wir Delfine mit dem Speedboot, sahen dann einen Buckelwal auf der einen Seite um dann auf der anderen Seite ins Wasser zu springen da eine größere Gruppe an Riffhaien unter uns schwamm. Alles war so aufregend und eindrucksvoll.

An einem anderen Spot fanden wir Nudibranches (bunte Meeresschnecken), Kalmare und Skorpionfische an den steilen Felswänden unter Wasser.

Meistens schnorchelten und tauchten wir um eine der vielen Mini Inseln / Felsen umher und berichteten uns gegenseitig wo was zu sehen war.

Als ich spürte, dass diese Freedive Safari dem Ende zu ging, wurde ich richtig traurig. Wir hatten so eine großartige Zeit und man war der Natur so nahe und man begann auch jetzt schon die neugewonnen Freunde zu vermissen, da man auf einem kleineren Boot wie diesem und so vielen gemeinsamen Mini Abenteuern, doch recht eng zusammengewachsen war.

In der verbleibenden Zeit unternahmen wir noch einen Nacht Tauchgang. Das war für uns beide ebenfalls eines der prägnantesten Erlebnisse. Mit unseren Taschenlampen ausgerüstet schnorchelten wir in der Dunkelheit das Riff in 2er Teams ab, um die nachtaktiven Bewohner zu finden.

Ganz stolz sichtete ich als Erste einen "walking Shark" und berichtete es dem Rest der Gruppe. Und das nicht nur am Boden liegend, sondern er watschelte tatsächlich auf seinen Flossen ein kurzes Stück umher, um sich vor dem Licht unserer Taschenlampen in Sicherheit zu bringen. Wir konnten noch 4 weitere Exemplare dieser kleinen herzigen Haiart sichten.

Am Ende unseres Night-Dives versammelten wir uns und schalteten unsere Lichter aus um in der Dunkelheit die Bioluminiszens des Meeresplanktons in dieser Gegend zu bewundern, die man wie funkelnde Streifen wahrnehmen konnte, wenn man seine Hand durchs Wasser bewegte.

In einer bestimmten Gegend des Nationalparks wurde uns auch leider das Müllproblem der Welt und vor allem Indonesiens vor Augen geführt. Die Gezeiten und Strömungen hatten hier einiges zusamengetrieben.

Unser Schiff manövrierte mindestens einen Tag lang zwischen völlig verdrecktem Wasser und unzähligen Plastikabfällen hindurch. Und das im unbewohnten Nationalpark! Ich musste an all die unschuldigen und wunderbaren Wasserkreaturen denken, deren Lebensraum nun zu tiefst verunreinigt war. So dicht, dass mit jedem Auftauchen der Kopf umrahmt von Müll war, egal ob Wal, Fisch, Schildkröte oder Mensch. Auch unter Wasser sahen wir immer wieder Plastikmüll an den Korallen hängen. Ein zu tiefst bedrückender Anblick.

Unsere Top-Meeresbewohner Sichtungsliste wird von Humphead-Parrot Fischen angeführt und beinhaltet unter anderem Walking Sharks, Röhrenkorallen, Riesen Fächerkorallen, Korallen die aussehen wie Blumenkohl, Mördermuscheln (Riesenmuscheln), Seenadeln, Schildkröten, Rochen, Aale, Muränen, Barracudas, große Sweetlips, Napoleon Fische, Blacktip Haie, graue Riffhaie, Quallenarten, Drückerfischarten, Krokodilsfische, Skorpionfische, Feuerfische sowie unzähligen Barscharten und Papageienfische usw...


Wir hatten eine großartige unvergessliche Zeit die wie bei allen Schönen Dingen viel zu schnell vorbei war. Lebenslektionen und Unterwasserlektionen inklusive.


Mit diesem Bericht über einen Ausflug der mittlerweile schon etwas zurückliegt, melden wir uns gerade aus Bangkok und wünschen euch heute am 24.12.2022 ein wunderschönes und besinnliches Weihnachtsfest.

Dass wir so hinterher sind mit unseren Berichten ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass unsere Zeit mit vielen wundervollen Momenten gefüllt ist und nicht viel Zeit für den Computer bleibt. Trotzdem werden wir versuchen euch bald die Geschichten zu erzählen wie es zu einem Weihnachten in Bangkok kam.


Wie immer viel Spaß mit unserer videografischen Kurzzusammenfassung und der Fotogalerie:



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