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Der Drang zu atmen

Aktualisiert: 11. Sept.

Unsere letzten 2 Tage haben wir einem Freediving Kurs im Zentrum Ameds gewidmet. (Freediving bedeutet Apnoe Tauchen, also mit nur einem einzigen Atemzug hinunter und wieder hinauftauchen.)

Der hohe Preis dieses Kurses hatte uns nach erster Anfrage eigentlich abgeschreckt. Nach gründlicher Überlegung welchen positiven Effekt so ein Kurs für uns hätte, vor allem am Anfang unseres Weltenbummler-Abenteuers, welches zu einem Großteil wasserbasiert geplant ist, haben wir einfach zwei Augen zugedrückt und die Chance genutzt von Profis mehr über Wasser und uns selbst zu erfahren. Immerhin sind wir ja auch gerade zufällig an dem einem Ort der auch ein bisschen als Mekka des Freediving auf Bali angesehen wird.

Also haben wir der britischen Freedive Expertin namens Anna gelauscht und erfahren, warum wir dem Drang zu atmen auch mal etwas später nachgeben dürfen und wie man am besten ruhig, mit positiver Einstellung, einem Lächeln und Vorfreude, einem Seil in immer dunkler werdendem Blau nach unten folgen will.

Meine wichtigste persönliche Erkenntnis war, dass Wissen tatsächlich Macht ist. Und zwar in diesem Fall, Macht über meine Ängste, Sorgen und teilweise auch Macht über meine Körperfunktionen.

Im Grunde genommen haben wir die letzten 2 Tage damit verbracht anatomisches Wissen über den Aufbau aller mit der Atmung verbundenen Organe und Funktionen zu lernen, bis hin zu den kleinsten Vorgängen in den Zellen. Wir haben gelernt, wie man Luft im Mund und Kopfbereich in verschiedene Richtungen verschieben kann und wie man seinem Körper sanft beibringt, dass trotzdem alles gut ist, auch wenn wir gerade keine frische Luft bekommen. Uns wurden neue Arten des Druckausgleichs demonstriert und angeleitet. Das Chris ganz entspannt mal 3 Minuten die Luft anhalten kann im Trockentraining war ja fast schon zu erwarten; ich war über meine 1,5 Minuten Erstversuch aber auch recht glücklich. Persönlich sehr lehrreich und spannend war auch, mit Hilfe eines Oxymeters, die Sauerstoffsättigung beobachten zu können, während man seinen Atem anhält und dabei erkennt, dass egal wie sehr man nach Luft schnappen will, noch überhaupt nichts weltbewegendes auf der Anzeige passiert und das sich alles tatsächlich im Kopf abspielt. Da Chris und ich aber ohnehin wohl eher relaxte Menschen sind, ist uns das Trocken- und Nasstraining wie erwartet nicht sonderlich schwergefallen. Das hat sich auch im 20m Trainingspool gezeigt, wo Chris die 40m und ich die 20m mit nur einem Atemzug problemlos und sogar noch mit gemütlicher Restluft durchtauchen konnten.

Mit super gutem Gefühl gings danach gleich ab ins Meer an das 10m Übungsseil und Schwupps waren die Probleme und die große Frustration da. Und plötzlich war alles wieder Kopfsache.


Erst schwamm man super aufgeregt 50m ins freie Blau hinaus zu unserer Übungsboye, wo sich außer 40m blaue Tiefe unter uns nichts befand, zumindest nichts von dem wir wussten, und Dank dem positiven Vormittag wurden auch keine negativen Gedanken an potenziell gefährliche Großlebewesen der Meere verschwendet. Der Fokus lag ganz bei der Übungsleine und unserem Dive Instruktor. Chris war der Erste der runtergehen durfte, schaffte die gesetzte 10m Markierung und wir jubelten. Ich scheiterte nach 5m bereits am Druckausgleich, der kopfüber und nun doch in etwas unentspanntem Zustand, für mich nicht zu bewältigen war. Da wir den Luxus eines eigenen Lehrers, Jan, für nur uns beide bekommen haben, konnten abwechselnd Chris und ich immer wieder neue Tauchversuche starten und wurden eifrig von unserem Coach verbessert. Meine Druckausgleich Marke stieg immer mehr nach oben, ich bekam Probleme mit meinem rechten Ohr, was mich immer mehr frustrierte bis ich tatsächlich nicht mehr so glücklich war wie am Vormittag.

Chris hatte Druckprobleme in der Stirnhöhle und nachdem er zweimal mit leicht blutender Nase hochtauchte, brachen wir lieber ab und mussten kurz vor den anderen Grüppchen wieder gegen die Strömung an Land strampeln. Als Draufgabe schwammen wir bei einer wunderschönen großen Qualle vorbei, hatten aber wegen des Trainings keine Kamera mit, um sie bildlich einzufangen. Frustration auf dem Höchststand.


Chris entschloss sich, nach seinem "Sinus Squeeze", den Wasserteil des Kurses nicht weiterzumachen, um keine chronischen Probleme zu riskieren und ich bekam Druckausgleich Hausübungen.


Da saßen wir nun, zurück in der Unterkunft und keiner traute sich als Erste_r den Vergleich des ausgegebenen Geldes mit dem Erlebten in die Waagschale zu legen und es laut auszusprechen.


Der nächste Tag startete mit Yoga für Freediver, Lungenstretching und Austausch zu den gemachten Erfahrungen. Profi Anna versicherte uns, dass der Sinus Squeeze von Chris kein Problem darstellte. Ich atmete eifrig im Trockentraining weiter und machte meine Übungen.

Sie verriet uns, dass unser Gehirn jeweils nur entweder positive oder negative Gedanken haben kann, aber niemals beide zugleich. Bester Trick also, um den Geist einfach mit Positivem aufzufüllen und schon ist der Kopf entspannt und es ist kein Platz für Sorgen.

Mit dieser Einstellung kam ich beim ersten Versuch mit einem einzigen Atemzug gleich 7m tief ohne Probleme und ich hatte noch Zeit beim Auftauchen zu entspannen, die Sonnenstrahlen im weiten Blau zu bewundern und keine Probleme mit dem Druckausgleich. Tatsächlich hatte ich auch nie den Drang nach Luft zu schnappen.

Chris konnte, da er jetzt genau wusste auf welche Zeichen seines Körpers er hören musste, problemlos auf 14m hinuntertauchen, um dann dort noch in dunkler Tiefe mit Jan, Schere-Stein-Papier zu spielen, bevor es mit dem gleichen Atemzug wieder hinauf ging.

Die 7m blieben meine sichere Zone und Bestmarke. Chris spazierte noch gemütlich auf 16,5m hinunter und erreichte das untenliegende Riff um dort mit Jan Fische zu beobachten.

Ganz schön ungewohnt wenn man oben im indonesischen Meer an einer Boye hängend treibt und von seinem Ehemann nichts mehr außer einem Pünktchen gelb seiner Flosse im dunklen Schwarz erkennen kann.


Alles in Allem war Freediving eine mega coole körperliche und spirituelle Erfahrung. Wir sind super happy diesen Schritt auf unserem Weg gegangen zu sein.


Dive Site: Jemeluk Bay, Amed, Bali

Freediving School: Apneista, Amed






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