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Vietnam: Phong Nha / Muc Moa Höhle

Von Ninh Binh aus nahmen wir wieder einmal einen Sleeper Cabin Bus. Diesmal sogar als Hotel Ersatz, was super funktioniert hatte. Wir kamen kurz vor 6.00 morgens, noch ganz verschlafen, im Central Backpackers Hostel in Phong Nha an. Dort bekamen wir die Sofas an der Rezeption angeboten, um die Zeit bis zum Frühstück noch mit einem Mini Schläfchen auszufüllen. Den etwas Abseits unserer direkten Nord-Süd Route gelegenen Abstecher nach Phong Nha haben wir nur wegen der tollen Höhlentouren gemacht, die dort angeboten werden. Unsere Liebe und Faszination für Natur ist jedenfalls so groß, dass ein kleiner Abstecher es auf jedenfall Wert ist, ein weiteres UNESCO Weltkultur Erbe zu besuchen. Die Gegend um den Phong Nha - Ke Bang Nationalpark, grenzt bereits an Laos. Es ist die schmalste Stelle Vietnams entlang des südchinesischen Meeres. Der Nationalpark umfasst zahlreiche (unter anderem schiffbare) Höhlen und Grotten, darunter auch die angeblich größte Höhle der Welt (Son-Doong-Höhle)!

Wir waren anfangs etwas überfordert uns an der Rezeption für die richtige Tour und richtige Höhle zu entscheiden. Da aufgrund der Regenzeit die Höhlenbootstour wegen Überflutung der Höhle ohnehin nicht möglich war, entschieden wir uns für eine 10km Wanderung im Nationalpark mit einem Besuch der Muc Moa Höhle.

Wir hatten auf jeden Fall die richtige Wahl getroffen, denn die Wanderung wurde von einer sympathischen, halbwegs gut englisch sprechenden Organisation durchgeführt, und begleitete uns durch eine unbeschreiblich schöne Landschaft. Aber ich werde trotzdem versuchen es etwas zu beschreiben :) :

Wir waren eine große Gruppe von ca. 15 Personen. Aber die Gruppengröße verlor bereits nach den ersten paar Gehminuten ihre Wirkung, da wir durch riesige sumpfige Grasflächen spazierten, umrahmt von hohen Kalkbergen, deren Spitzen hinter Nebelschwaden verborgen blieben und sich alle Teilnehmer durch unterschiedliches Schritttempo verstreuten. Ich musste natürlich auch bei den vielen frei grasenden Kühen und Büffeln staunend anhalten, was uns etwas zurück fallen ließ. Leider wollte sich keines der Tiere von mir streicheln lassen. Wir hatten alle hohe Socken und Gummisandalen, ein Langarmshirt und einen Helm bekommen. Nach wenigen Minuten war klar, warum. Es war zu großen Teilen eine Gatschwanderung, bei der man das Gefühl hatte, der Boden versuche schmatzend einen Schuh zu erhaschen und ihn zu verschlingen. Da wohl jeder mal nach seinen Gummiballerinas greifen musste, hatten wir die Tour-internen Langarmshirts bekommen, um unsere private Kleidung vor Dreck zu schützen. Die Socken waren als Schutz gegen die vielen Blutegeln gedacht, die hier ein bedeutender Teil des Naturschutzgebietes sind. Immer wieder mal machte unser Tourguide einen Blutegel Check und half bei der Entfernung etwaiger Blutsauger. (Die Butegel hier sind eher klein, dunkelbraun bis dunkelrot, leben nur im Schlamm und sind ausser für manche ekelig, komplett ungefährlich). Die Wanderung führte uns nach den ersten Schlammpfaden und Wiesen, weiter durch Bachläufe und erfrischende Flüsse mit beachtlicher Strömung. Man kämpfte sich Oberschenkel-tief hindurch (bei meiner Größe) und die langen Hosen und Socken saugten sich mit Wasser voll, dafür wurde der lehmige Gatsch wieder aus den Schuhen gewaschen. Es war jedenfalls ein riesengroßer Spaß und wir waren zu tiefst beeindruckt von der Schönheit der Berge und der Landschaft im Allgemeinen.

Wir marschierten den Fluss aufwärts bis wir zu einer Stelle gelangten, an der der Fluss direkt aus einer großen Grotte aus dem Berg herausströmte. Wir wurden eingeladen, hier, an den uns zuvor erklärten Stellen, schwimmen zu dürfen. Das Wasser war etwas frisch, aber ich finde, dass man für niedrige Wassertemperaturen in Relation zur Schönheit der Umgebung, unempfindlicher wird. Die Strömung war ganz schön stark, aber hatte man den richtigen Weg rausgefunden, konnten wir als Gruppe in die Grotte hineinschwimmen und auf die im Fluss liegenden Felsen hinaufklettern. Manche wagten sich bis ganz weit hinein, wo das Tageslicht nicht mehr hinlangte. Es stellte sich heraus, dass dies keine Grotte war, sondern bereits der Ausgang der von uns demnächst zu erkundenen Höhle. Aber zuvor gab es nach dem Schwimmspass noch ein gemeinschaftliches vietnamesiches Mittagsessen. Es hatten uns rund 8 Träger begleitet, die die Höhlenausrüstungen, Schwimmwesten, Wasser und Verpflegung für uns mitgetragen hatten. Als wir vom Schwimmen an unser Lager zurückkehrten, hatten sie den Boden mit einer Plane und Bananenblättern ausgelegt, die als Teller und Anrichteplatten dienten. Drauf war allerhand leckeres Essen wie an einer langen Tafel angerichtet. Wir setzten uns also alle im Schneidersitz um unsere Bananenblatt Tafel und lernten uns bei Speis und Trank zum ersten Mal etwas näher kennen. Wir lernten dabei ein sehr nettes kanadisches Pärchen kennen, die wir dann auch in der nächsten Stadt bald nochmal zufällig trafen.

Nach dem Essen wurden uns Stirnlampen ausgeteilt und wir machten uns an den Anstieg zum Höhleneingang. Unser Führer erklärte uns noch schnell die wichtigsten Regeln, für das Verhalten im Berg und bedankte sich mehrmals bei uns allen, dass wir die Tour gebucht hatten. Er erklärte uns, dass die Träger die mit uns mitkamen, ohne uns Touristen, nur illegalen Tätigkeiten (wie Abholzung) im Nationalpark nachgehen konnten, da sie aus den Dörfern der Umgebung stammten und es sonst fast keine Möglichkeit zum Gelderwerb gäbe. Seit die Gegend ein UNESCO Weltkulturerbe ist, und verschiedene Touren angeboten werden können, entstanden so bessere und sicherere Arbeitsplätze. Es lag ihm sehr am Herzen uns das mitzuteilen, deswegen gebe ich diese Information auch gerne an euch weiter. Man wandert dann mit noch einem besseren Gefühl durch diese schöne Gegend. Wir verbrachten gut eine Stunde in der stockfinsteren Höhle. Die Räume waren weitläufig und groß, manchmal wurden die Kammern auch wieder schmäler. Überall tropfte es sanft von der Decke. Der Guide erklärte uns allerhand zur Geologie der Höhle und den vielen verschiedenen Metallen und Erden, die hier vorkamen.

An einer Stelle machten wir halt, um alle Lampen auszuschalten und der Stille zu lauschen. Der feuchte Höhlenpfad führte uns über kürzere Treppenpassagen und vorbei an kleinen Höhlenseen. Stalaktiten und Stalagmiten sowie Säulen konnte man durchgehend bewundern und genauer inspizieren. Der Abschluss war dann der Abenteuerteil. Erst mussten wir eine steile Metalltreppenkonstruktion hinabsteigen, die einseitig an der Wand befestigt war. Auf der anderen Seite ging es steil und weit den glitschigen Felsen hinab. Hatte man das geschafft, musste man durch eine enge Felspassage abwärts schlüpfen, um in die nächste Kammer zu gelangen. Für Menschen mit Platzangst wäre das eher nichts gewesen. Wir befanden uns nun schon gut 30 Meter oberhalb des Höhlen Flusses und in der riesigen Kammer, in die wir Anfangs einen kleinen Teil hineingeschwommen waren. Dann bekamen wir einen Klettergurt umgeschnallt und wir wurden nacheinander weitere 20 m eine Leitern Passage hinabgeschickt, bei der man sich selbst sicherte. Dieser letzte Teil dauerte etwas und es ergaben sich lange Wartezeiten, da jeder das Abenteuer langsam und vorsichtig reihum bewältigen musste und nach immer 5 Personen die Gurte und Abseilgeräte erneut hinaufgezogen wurden. Zu unserem Glück gehörten wir zu den ersten abgeseilten Personen und somit verbrachten wir unsere Wartezeit auf der letzten Plattform, wo wir nun die Schwimmwesten bekamen. Hier konnte man die letzten 5 Meter in voller Montur in der Dunkelheit in den Fluss springen oder alternativ eine glitschige Holzleiter hinunterklettern. Alle die nun warten mussten, durften so oft sie wollten in den Fluss springen und euch ist ja klar das Chris das gut ausgenützt hat. Inklusive eineinhalb vorwärts Salto und Back Full in der Dunkelheit. Ich selbst konnte mich gute 2 Mal ebenfalls motivieren in das dunkle Nass zu springen und muss gestehen dass es echt Spaß gemacht hat. Nach dieser Weltreise werde ich womöglich auch noch zum Turmspringfan. Bis jetzt kostet es mich jedes Mal etwas Überwindung. Es war einfach ein großartiges Erlebnis, statt in einen blauen See von einer Klippe bei Tageslicht, mal in einen Höhlenfluss von einem Tropffelsen in die Dunkelheit hinabzuspringen. Als es dann die gesamte Gruppe bis zum letzten Hindernis geschafft hatte und hineingesprungen oder ins Wasser gekletter war, konnten wir uns den Rest des Weges mit unseren Schwimmwesten in der zuvor kontraproduktiven Strömung nun gemütlich aus der Höhle hinausspülen lassen. Chris uns ich machten natürlich bei einem der letzten 3m hohen Flussfelsen halt, um auch in der hellen Grotte nochmal cool ins Wasser zu springen.

Nach einem wärmenden Kaffee für die anderen und einem Glas heißem Wasser für uns Teetrinker (was hier sehr unüblich ist) wanderten wir den gesamten schönen Weg wieder zurück und man plauderte mit den neu gewonnenen Abenteuerkollegen über seine Vietnam-Erlebnisse. Nach einem gemeinsamen Abendessen mit dem kanadischen Pärchen vielen wir auch schon ins Bett und nahmen am nächsten Tag den Mittags-Sleeper Bus nach Hoi An. Diesmal gab es leider keinen Kabinen Bus, sondern nur kleine Liegen, die sich für Christians Größe keinesfalls eigneten. Unser genialer Weltenbummler Trick den wir allen weiterempfehlen können: Wir buchten in der hintersten Reihe (hier sind standardmäßig 5 Liegen die aneinander gereiht sind) 3 Personenplätze statt 2 und informierten den Busfahren, dass wir nur zu zweit sind, aber gerne mehr zahlen um mehr Platz zu haben. Der Busfahrer und sein Helfer, die das äußerst amüsant fanden, machten es sich dann zur besonderen Aufgabe, darauf zu achten, dass sich ja keiner zu uns legte und wir hatten die ganze Fahrt über eine 5 Personen Liegenfläche im hinteren Teil des Busses.

Chris konnte sich Querlegen und die Fahrt mit einem Krauli genießen. Ich habe ohnehin in fast jedem vietnamesischen Bus gut Platz. Wir hatten von hier aus Überblick über die anderen Liegen und fühlten mit all jenen mit, die eine Standard westliche Figur hatten und die lange Fahrt in ihrer viel zu engen, Ein-Personen Liege, mit abgewinkelten Beinen durchhalten mussten.

Viel Freude mit dem Video und der Fotogalerie:





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